Teil 12 - Aus dem Dorfe Randau // RANDAU - GUT UND DORF IN VORZEIT UND GEGENWART VON MAX HENNIGE

„Auf einem Spaziergang ist jeder Weg der rechte.“

Dieses Wort wollen wir den beiden folgenden Abschnitten voranstellen. Denn der Leser wird da über Dorf und Gut vielerlei erfahren, was in sich lediglich durch die Zeitfolge geordnet ist. Es bleibt noch manches zu sagen, was den verschiedensten Gebieten angehört, und so soll dieser Spruch – besonders für die Neuzeit – ein Zeitwort unserer Ausführungen sein.

 „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast,

Erwirb es, um es zu besitzen!“

Ein Faustwort, dessen Bedeutung dem kraftvollen Schlag der Randauer Bauern in Fleisch und Blut übergegangen ist. In hartem Kampf leben sie mit der heimatlichen Scholle. Nicht leicht spendet ihnen das Land den zum Leben nötigen Ertrag. Ein heißes Werben gilt es um den widerstrebenden Boden. Gleich wie Rittersang und Minnelied der Heldenzeit dem holden Geschlecht liebliche Gunst abgewinnen sollten, so erringt sich hier das hohe Lied des Fleißes und ungebeugter Kraft wohlverdienten Lohn.

Gar manche Randauer Familie hat Grund und Boden schon durch Jahrhunderte ererbt. In Kirchenbüchern und anderen Akten finden wir ihre Namen: Lemcke, Ahlheit, Koch, Blumenthal, Hesse und wie sie alle heißen. Die Steuerprofessionsprotokolle vom März 1685 geben ein gutes Bild über Besitz und Vermögen der Dorfgemeinde. Den für die Neuzeit wichtigeren Familien sei in Achtung ihrer Arbeit und ihrer treuen Anhänglichkeit an altüberkommene Scholle aus diesen Akten ein Gedenkblatt geweiht. Nachdem Pastor und Kantor für Kirche, Pfarre und Schule den Professionseid abgelegt haben, heißt es in dem Protokoll weiter:

„Christoff Schrader Bauermeister undt Oßwald Borges profitiren wegen der gemeinde als gemeinde.

  • 2 wiesen, als die Bauermeierey, undt der Zimpel genannt, beydes von 4 fuder hew, diese wiesen ernteten die Einwohner uff der reige.
  • 1 kleiner gras ohrt von ¼ fuder hew, worauff etwas untherholz.
  • Dieses genütze der kleine Bauermeister pro labore, das er die Steyern einfordere.
  • 1 Lacke die Hirten Lacke genanndt von 5 fuder hew, worvon der große Bauermeister, 1 fuder pro labore bekomme, die andern 4 fuder ernte der Hirte.
  • Die Bullen wiese von 1 fuder hew, so der jenige begrauche, der das gemeinde Rindt ausfüttere.
  • 2 Kolcke in Zimppel, der Gieseler Pfuel , der Rohrpfuel, u. etzliche pfützen, so theils in des von Alvensleben Ecker u. wiesen belegen, worinnen die gemeinde mit Hamen zu fisschen befugt, es druckneten aber dieselben theils des Sommers fasst ganz aus.
  • Die Gemeinde habe auf der alten Elbe auch macht zu fisschen so weid des v. Alvensleben gebiethe ginge.
  • Ihr dorff gebe in Simplo 6 tal 9 g. hierzu trügen bey 1 Feyerstedte gleich durch 6 g. Von 1 melckenden Kuh 6 pf. Von der graserey undt dem giersten viehe Steyreten sie nicht.
  • Die weyde ihres ohrts sei guth, wen sie nicht von wasser überschwemmet würde.“

Zunächst interessiert dann Hans Blumenthal, von dem wir schon früher (Seite 16) gehört haben.

  • „4 Morgen wiesewachs von 4 fuder hew à 8 tal
  • 2 grase Cabeln von ½ fuder hew à 1 tal
  • 1 Haus, Ställe u. garthen à 8 tal.
  • Er habe von dem hause Randau den Acker gepachtet vorvon er sich ernehre.
  • Grase geld dem adel. Hause 1 tal 12 g.
  • 4 Rauchüner dahin  8 g.
  • Dienstgeld dahin  2 tal.
  • Er Steyre in simplo 13 g 6 pf. – 15 Kühe, 4 Rinder –„

„Hans Lemcken wegen, so verreiset profitiret Jacob Rintorff.

  • 2 Morgen wiesewachs von 2 fuder hew a 4 tal
  • 2 gras Cabeln von ½ fuder hew a 1 tal
  • 1 alt haus, stall u. garthen a 4 tal
  • Grasegelder dem adel. Hause 18 g
  • 2 Rauchüner dahin a 4 g
  • Dienstgeld dahin 2 tal
  • In Simplo Steyre er 7 g 6 pf. – 3 Kühe.

Michael Blumenthal gibt an, „er sey der Krüger, habe von dem adel. Hause die Schencke, nebenst 2 ft. Acker undt 2 morgen gras gepachtet umb jährliche 10 tal, möchte des Jahres von seine mühe profitiren 20 tal. – 4 Kühe, 2 Rinder.“

Das Protokoll schließt mit den Worten: „Der Bauermeister berichtet, das die Einwohner insgesambt dem Adeligen hause an Schoffe jährlich geben müssen 4 tal 3 g.“

Die hier noch nicht erwähnte Familie Ahlheit findet sich im Jahre 1699 in den Registern der Randauer Kirchenbücher.

Es sei hier auf den Anhang hingewiesen, der einen weiteren Auszug des Protokolls aus dem Jahre 1685 bietet mit Angabe des Viehbesitzers, der ja für unserer Bauern in damaliger Zeit die Haupterwerbsquelle bildete. Ferner findet sich dort eine Aufzählung aller Familien aus dem Jahre 1810.

Nur ganz wenige Bemerkungen stellen im übrigen die Verbindung zwischen dem 17.  und 19. Jahrhundert her. Sie betreffen Feuers- und Wassersnot.

 „Anno 1694 d. 11. Novemb. Kam des Nachts auf Bartholomeus Bösens Hoffen in der Scheune Ein schräcklich feuer aus dadurch in wenig Stunden dieser ganz  Beste ackerhoff eingeäschert wurde; Ach kl. Straffe uns nicht weiter in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm!“

„1762 riß das Wasser durch des Predigers Finkenherd Stücke, weil nun dieses ein allgemeiner Felddamm, der dem Prediger zu repariren nicht angemuthet werden konnte, wurde das Geld solange von der Kirche zur reparation vorgeschossen, bis erst reguliret seyn würde wie viel Patronus selbst, der Prediger oder vielmehr die Kirche (welche die Kirchengüter bey casibus fortuitis ….. vim majorem existentibus restituiren muß), ingleichen die beyden Ackerleute Blumenthal und Hesse zu contribuiren schuldig.“

„1770 und 1771 Waren hier so große Ueberschwemmungen, daß man von Westerhüsen aus mit der Fähre bis an den hiesigen Adl. Hof fahren und unser Vieh abholen konnte, weil hier kein Futter war. Das Wasser stand sonderl. 1771 von gallen bis zum Junio. Alles gesamte Korn, wie auch alle Weide ersof und wurde kein Heu geerntet. Die Däme wurde fasst gänzl. Und alle ruinirt, und die Kirchen und Pfarr Däme musten auf Kosten der Kirche wieder gemachet werden.“

Später brachte das Jahr 1844 noch ein besonders großes und schwer schädigendes Hochwasser mit sich.

Mit dem Jahre 1830 treten wir in die für Randau recht wichtige Zeit der Separation ein, wichtig darum, weil bedeutende Besitzveränderungen vorgenommen wurden. Bis dahin hatten die Aecker des Gutes und die Pläne der Bauern völlig durcheinander gelegen.

Jetzt wird alles zu einem gemeinschaftlichen Komplex zusammengeworfen und dann jeder gemäß seinem früheren Besitze abgefunden. Ferner wird die Hutungsgemeinschaft aufgehoben und alle Teilnehmer entsprechend entschädigt. Einen kleinen Einblick in die zur Separation gestellten Fluren bekommen wir, wenn wir lesen, daß es sich unter anderem um etwa 743 Morgen Acker, 427 Morgen Wiesen und 401 Morgen Hutungsreviere handelte. Holzflächen sind nur 128 Morgen angegeben, obgleich der – meist der Kirche gehörende – Holzbestand 1820 noch 370 Morgen betrug. Vielleicht lag das Uebrige außer Bereich der Separation Die gemeinschaftlichen Bullen und Eber werden verkauft und der Erlös nach der Anzahl der Güter geteilt. Der Name Bullenwiese – übrigens schon im Visitationsprotokoll 1583 zu finden – ist noch heute im Gebrauch. Von den in § 14 des ……… erwähnten Einschränkungen des Eigentums interessiert uns einiges. Es heißt da:

„Es steht dem Rittergute zu Randau die Jagd auf der ganzen dortigen Feldmark zu, und es bleibt dieselbe von der Separation unberührt.“ Von dem Rittergute sind zu dulden:

a) Das ….. des Flachses seitens der Gemeindeglieder zu Randau findet in einem dem Rittergute Randau gehörigen Kolke statt und erleidet durch die jetzige Separation keine Aenderung.

b) Die Besitzer der im Dorfe Randau vorhandenen Acker-Halbspänner- und Kossaten-Güter, der Ackermann Andreas Friedrich Blumenthal und Gen., sind berechtigt, in folgenden zum Rittergute gehörigen, hinsichts ihrer Lage und Begrenzung genau bekannten Kolken:

1) den sog. Ziegenkolken,

2) den schwarzen Krügern,

3) demjenigen Teil des großen Steinsee, welcher von der Schafwäsche westlich bis zum kalten Loche reicht, während zweier Tage in jeder Woche mit dem Schiebehaamen die Fischerei auszuüben.“

Die an der Separation Beteiligten konnten sich nicht über Schädigung beklagen. Zum Beispiel besaß die Pfarre vorher 170 Morgen und Weidefreiheit für 10 Stück Rindvieh, was zusammen einem Einkommenswert von rund 881 th. Gleichkam, nach der Teilung 218 Morgen, was einer Verbesserung auf 1116 rh. Entspricht. Allerdings hatte sie dafür die Anlage neuer Wege und die Rodung von Holzgrundstücken  übernehmen müssen. Die Aufbesserung der bäuerlichen Besitzer erfolgte natürlich auf Kosten des Gutsbesitzers.

Der in dem Vertrag erwähnte Flachsbau wird bis 1860 betrieben.

Wenn gesagt wurde, daß die Separation 1830 angeordnet worden war, so ist hier zu ergänzen, daß sie sich bis Ende der vierziger Jahre hinzog. Ueber den Besitz der Kossaten sei noch erzählt, daß die beiden großen Ackerhöfe sehr im Vermögen zurückgegangen sind.

Der Blumenthal’sche Hof besaß 1848 etwa 150 Morgen, 1903 nur noch 11 Morgen, während der Hesse’sche Hof, zu dem damals 100 Morgen gehörten, heute landlos ist.

Hiermit ist – sicher zur Freude der Leser – die Frage des Besitzes erledigt und wir können uns unterhaltenderen Dingen zuwenden. Da ist zunächst eine kleine Episode aus den Befreiungskriegen zu berichten. Wahrscheinlich im Jahre 1808 wurde Pechau von französischen Exekutionstruppen geplündert. Eine kleine Abteilung, geführt von einem Offizier, gedachte auch Randau heimzusuchen, vermutlich auf eigene Faust. Sie konnten die Fährstelle ohne Kahn nicht überschreiten, uns so war rechtzeitig Hilfe zur Stelle. Der Gutsförster, den man herbeigeholt hatte, erschoß den Offizier, der sein Grab dort auf Calenberger Seite erhielt. Da die Soldaten keinen Befehl zur Plünderung Randaus gehabt hatten, unterließ man  es, die Randauer für die Tat der Selbsthilfe zu züchtigen.

Mit der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt die Zeit, seit der wir aus mündlichen Berichten der Alten unseres Dorfes etwas wissen. Freude und Erbitterung herrschte damals in Randau. Freude über den alten General von Pfuel, der dort ein Haus besaß und mit allen liebevoll und freundlich verkehrte, – Erbitterung über den Rittergutspächter Lamprecht, der ein Feind des Generals war und ihn mit allen Mitteln wegzuärgern suchte. Ernst von Pfuel, geboren 1780, Mitkämpfer in den Befreiungskriegen, 1848 auf kurze Zeit Kriegsminister und Ministerpräsident, hatte sich für den Abend seines reichen Lebens in Randau ansiedeln wollen. Pfuels zweite Frau war eine geborene von Alvensleben, desgleichen hatte der Pastor Flacke eine Schwester des Patrons von Alvensleben geheiratet. Als im Jahre 1848 Pfuels Haus abbrannte, wohnte er bei seinem Schwager Flacke. 1850 erbaute er sich dann ein neues Haus, das heute unter dem Namen Lindemannsches Haus in Randau bekannt ist.

Wie gut der greise General mit allen im Dorfe stand, geht aus einigen kleinen Geschichten hervor. Der Held der einen, Christel Lemke, lebt noch heute als Gärtner auf dem Gute. Christel war damals ungefähr 13 Jahre alt. Pfuel hatte immer seine besondere Freude an dem Knaben, und die Freundschaft war sogar so eng, daß Christel den alten Herrn mit „Du“ anreden mußte. Der General, der als ausgezeichneter Schwimmer und Taucher bekannt war, badete oftmals in der damals noch bedeutend Wasser führenden alten Elbe. Eines Tages trifft er Christel, der eine Handvoll Beifuß – wie er sich ausdrückte „Nebenbein“ – holen sollte, und es entspann sich folgendes kurze Gespräch. „General, wohin Du?“ – „Baden! Komm mit, wenn ich versupe, kannst vertellen!“  Sie wandern zur Elbe, Pfuel springt ins Wasser und verschwindet. Christel wartet eine Weile, der General taucht nicht wieder auf. Da bekommt er plötzlich Angst, ergreift die am Ufer liegenden Kleider und rennt so schnell er kann dem Dorfe zu. Als Pfuel wieder auftaucht und Christel davonjagen sieht, ruft er ihm nach: „Junge, wo willst du mit meinen Kleidern hin?“ Der dreht sich erschrocken um und antwortet kleinlaut: „Ich dachte, du wärst versupen.“

Pfuel hatte die Jagd von der Gemeinde gepachtet und hielt nun eines Tages große Treibjagd ab. Er hatte sämtliche Kossaten und Bauern, die ein Gewehr besaßen, dazu eingeladen. Alle anderen sollten Treiber spielen. Fröhlich erschien man mit Feuerschoßflinten und ähnlichen Mordinstrumenten. Die Jagd begann. Ein Hase hatte sich auch wirklich in das Treiben verlaufen, und dem glücklichen Besitzer eines Vorderladers war es gelungen ihn schwer zu verwunden. Freund Lampe hatte aber noch die Kraft sich über die Grenze des Gutsgebiets zu retten. Man nahm das nicht so genau und ließ ihn holen. Da erscheint der Gutsbesitzer Lamprecht und im Vollgefühle seiner Polizeigewalt verlangt er die Jagdscheine der Beteiligten zu sehen. Das war damals eine ganz neumodische Einrichtung, so daß niemand, selbst Pfuel nicht, einen besaß. Der Herr Patron untersagt darauf allen weiter zu jagen und schickt sie nach Hause. Betrübt und wütend muß die ganze Schar abziehen und schimpft weidlich über den Gerichtsherrn, der sie und ihren lieben General dieses unschuldigen Vergnügens beraubt. Den Hasen hat natürlich Lamprecht verzehrt.

Wie arg der Gutsbesitzer dem verdienten Manne zusetzte, geht auch noch aus einer anderen Ueberlieferung hervor. Die Wiesen des Göbs kamen fast jedes Jahr unter Wasser. Eines Winters Anfang der fünfziger Jahre war die ganze Fläche zugefroren, und Pfuel beschäftigte sich damit darauf Schlittschuh zu laufen. Aber der Göbs gehörte zum Gute – also wandte Lamprecht wieder seiner Polizeimacht an und ließ den General bestrafen. Die Stimmung seitens der Bauern war sehr erregt. Pfuel selbst war über die ewigen Plänkeleien ziemlich erbittert und kehrte deshalb bald nach 1852 Randau den Rücken zum Kummer der ganzen Dorfgemeinde.

Ein treuer Diener des Generals von Pfuel war der alte Stensbeck, den ich den Lesern auch im Bilde vorführen kann. Ich sage „der alte“, weil ich ihn nur unter diesem Namen kenne und nur als Greis gesehen habe. Sein Geist war noch in den letzten Jahren ungewöhnlich frisch, und oft erzählte er von den Zeiten, die er gesehen, von der Güte Pfuels und dem, was er in Randau alles erlebte. Er wohnte an der Nordwestseite des Dorfes in einem der kleinen Strohdachhäuser, die uns dort armselig und doch so freundlich entgegenblicken. Ich habe ihn und seine treue Ehefrau, mit der er 1906 seine goldene Hochzeit feierte, mehrmals dort besucht und in dem schmucken Stübchen viel liebe Andenken gefunden. Er erzählte mir dann von meinem Großvater und zeigte mit Stolz auf das Bild, das er von ihm erhielt. Die Weihnachtsglocken des Jahres 1910 riefen ihn und seine sorgende Gattin zur ewigen Ruhe. Der Kriegerverein, dessen Vorsitzender er lange Jahre hindurch gewesen war, und das ganze Dorf gaben ihm das letzte Geleit.

Unsere Gemeinde besitzt noch mehr solch prächtiger alter Menschen. Christel Lemke kennen wir schon. Der Müllermeister Curio, dem bei einem Raubanfall vor 20 Jahren der Schädel eingeschlagen wurde, lebt noch heute recht frisch und gesund. An der Spitze der Veteranen steht Friedrich Ahlheit, Invalide des Regiments 66 aus der Schlacht von Königgrätz. Noch manchen könnte ich nennen, doch führe ich nur noch Heinrich Ahlheit an, den Schulzen der Dorfgemeinde. Ueber 25 Jahre steht er schon – ein Siebenziger – an der Spitze der Verwaltung und hat verstanden sich durch regen Fleiß und große Sachkenntnis das Vertrauen und die Verehrung aller zu gewinnen. Möge er der Gemeinde noch lange erhalten bleiben!

Es ist nicht ganz leicht, aus der Neuzeit objektiv etwas zu berichten. Was man selbst mit erlebte, ist doch nie ganz frei vom Schatten eigenen Geschmacks und eigener Gedanken. In fünfzig Wintern, wenn des Besitzes erstes Jahrhundert sich erfüllt, dann wird vielleicht ein Enkel sich auch unserer Zeit erinnern.

Doch eins noch! Schon einmal erwähnte ich den Aufschwung, den das geistige und soziale Leben unseres Dorfes sub auspicio patroni et pastoris genommen. Familien- und Elternabende wurden nun wirklich eingerichtet. Eine Sanitätskolonne wird ins Leben gerufen, und mit Begeisterung widmet sich die junge Mannschaft den Uebungen für Krieg und Frieden. Auch der Gedanke einer Kinderbewahranstalt taucht wieder auf, um den Frauen die Sorge für ihre Kinder zu nehmen und ihnen die Möglichkeit einer ungestörten Arbeit im Felde zu verschaffen. So ersteht zunächst unter dem Vorsitz der Gutsherrin der Vaterländische Frauen-Verein Randau. Der Patron bringt den Bestrebungen großes Interesse entgegen und erbaut mit seiner Gattin ein Haus, das er dem Verein zur Verwirklichung seiner Pläne zur Verfügung stellt. Am 19. August 1911 wird das „Hennige-Haus“ durch Herrn Konsistorialrat Dr. Hermens feierlichst seiner Bestimmung übergeben. Der folgende Tag vereint jung und alt zu einem fröhlichen Fest.

Und wie so die Dorfgemeinde Randau zu neuem Leben erblühte, so zeigt auch das Gut, daß die letzten 50 Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind.