Geschichte der Kreuzhorst

 Mittelalter

Noch im 10. Jahrhundert floss der Hauptstrom der Elbe östlich der Kreuzhorst, also im Bereich der heutigen Alten Elbe vorbei. Die Kreuzhorst lag somit zu diesem Zeitpunkt noch linkselbisch. Vor 1012 entstand dann das Bett des noch heute bestehenden Hauptstroms westlich der Kreuzhorst. Für das Jahr 1016 wurde der Salbke gegenüber liegende Wald als von Alter und Neuer Elbe umschlossen beschrieben. Die Kreuzhorst lag seit dem somit auf der Insel Elbenauer Werder. Erzbischof Gero hatte 1015 oder 1016 bei der Stiftung des Klosters Unser Lieben Frauen auch den von der Elbe eingeschlossenen Wald bei Salbke und weitere 10 Hufe Acker bei Salbke vermacht. Durch Kauf und Tausch vergrößerte das Kloster im 12. Jahrhundert seinen Waldbesitz. 1189 erwarb das Kloster das Gut Kulenhagen und rundete somit seinen Grundbesitz in der Gegend ab. In Salbke bestand letztlich das Klostergut Salbke, welches auch die Bewirtschaftung der Kreuzhorst übernahm. Die Verbindung über die Elbe erfolgte über die Klosterfähre. Eingepfarrt waren die Bewohner in die Salbker Kirche. Mit der Einstellung der Bewirtschaftung des Guts in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch die Klosterfähre nicht mehr betrieben und durch die Fähre Salbke ersetzt.

 Neuzeit

Während des Dreißigjährigen Kriegs errichteten Magdeburger Streitkräfte 1631 im Gebiet der Kreuzhorst und der näheren Umgebung drei Schanzen zur Verteidigung der Stadt. Nördlich, in der Nähe der Mündung der Dornburger Alten Elbe in die Elbe lag im Bereich des sogenannten Rehbergs die Schanze Trutz Tilly. Weiter südlich auf einer Wiese in der Kreuzhorst befand sich der Magdeburger Succurs. Außerhalb der Kreuzhorst, östlich von Pechau, wurde als dritte Schanze Trutz Pappenheim gebaut. Alle drei Schanzen wurden von kaiserlich/katholischen Truppen erstürmt, die Besatzungen fast vollständig getötet. Am 20. Mai 1631 wurde Magdeburg dann schließlich erstürmt und zerstört.

 Etwa in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann das Pädagogium des Klosters Unserer Lieben Frauen einmal im Jahr das Kreuzhorstfest in der Kreuzhorst zu feiern. Schüler und Lehrer fuhren, wohl im August jeden Jahres, von Salbke aus über die Elbe. Es wurde gesungen und dann gefrühstückt. Nach Spielen aßen die Schüler unter freiem Himmel zu Mittag. Lehrer und Beamte des Klosters nahmen ihr Mittagsessen danach im Forsthaus ein. Nachmittags wurde Musik gespielt und sportliche Wettspiele wie Balancieren, Klettern, Werfen, Springen und Laufen veranstaltet. Zwischen den Spielen wurden drei Eichen gefällt, so ist es zumindest für 1843 belegt. In späteren Jahren wurde nur von der Fällung jeweils einer Eiche berichtet. Man ging dann zum Forsthaus zurück. Nach dem Abendessen fuhr man mit einem Kahn auf der Elbe mit Musik und Gesang zurück. Die Tradition der Kreuzhorstfeste hielt bis in das 20. Jahrhundert hinein an.

Bis etwa 1880 hinein war das Gut Kulenhagen als Forsthaus für das Gebiet in Betrieb. Das Forsthaus besteht heute nicht mehr. In dieser Zeit entstand auch der große Elbdeich, der den Stadtteil von Nord nach Süd durchzieht, wobei sich das Waldgebiet östlich des Deichs, auf der elbabgewandten Seite befindet. Das gesamte Gebiet blieb noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts im Eigentum des Klosters bzw seiner Rechtsnachfolger.

Im Jahr 1917 stellte die staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Berlin vier der stärksten Bäume der Kreuzhorst, die einen Umfang von 5 bis 5 1/2 Metern hatten unter Schutz. Die trotz Stadtnähe abgelegene Lage der Kreuzhorst dürfte auch dazu geführt haben, dass 1923 zwei, teilweise mit Gewehren bewaffnete, dem später gegründeten Rotfrontkämpferbund nahestehende Hundertschaften im Bereich der Kreuzhorst exerzierten.

Die Kreuzhorst gehörte über lange Zeit nicht zu einem Gemeindegebiet sondern bildete den Gutsbezirk Kreuzhorst. Zum 1. Dezember 1928 wurde der Gutsbezirk nach Magdeburg eingemeindet. Salbke gehörte bereits seit 1910 zur Stadt, das an die Kreuzhorst angrenzende Pechau wurde erst 1994 eingemeindet.

Etwa seit den 1930er Jahren fand nordwestlich der Kreuzhorst, im Bereich um den Mönchsgraben, alljährlich an einem Wochenende ein als Meckerndorf bekannt gewordenes Fest der Magdeburger Wassersportler statt. Ein Pressebericht hierzu ist aus dem Jahr 1935 überliefert. Kanuten und Segler, bei denen das Gebiet des Mönchsgrabens sehr beliebt war und ist, legten dafür aus Buden und Zelten einen Dorfplatz mitsamt Rathaus, Schenke und Denkmalstandbild an. Die Dorfbewohner reisten mit ihren Booten an und errichteten eine große Zeltstadt. Es fand eine kabarettistische Ansprache des Bürgermeister statt, die Neptunstaufe von Neulingen wurde durchgeführt und dann bis tief in die Nacht gefeiert. Zum Schluss brannte traditionell das Rathaus nieder. Das letzte Meckerndorf erfolgte 1956. Am 3. September wurden die Zelte wieder abgebrochen. Ein offizielles Verbot dieser Veranstaltung ist nicht bekannt, sie wurde dann jedoch nicht mehr durchgeführt.

 

2. Weltkrieg

Zum Ende des 2. Weltkriegs ereigneten sich im Bereich der Kreuzhorst noch größere Kampfhandlungen. US-amerikanische Truppen hatten am 12. April 1945 Westerhüsen erreicht. Sie setzten ab 21.30 Uhr im Bereich der Fähre Westerhüsen über die Elbe und bildeten im Bereich der Prinzenwiese auf dem Holz- und Kapitelwerder südlich der Kreuzhorst einen Brückenkopf. In den frühen Morgenstunden des 13. April rückte eine amerikanische Patrouille durch die Kreuzhorst vor, um zu überprüfen, ob die Brücke über den Elbarm bei Pechau noch intakt sei. Etwa einen Kilometer westlich der Brücke traf man jedoch auf einen mit sechs Mann besetzten deutschen Vorposten. Gegen 9.30 Uhr erhielten die US-Einheiten den Befehl aus dem gebildeten Brückenkopf von der Fährstelle nach Norden in Richtung Brücke, eine zweite Gruppe in Richtung Randau vorzurücken. Um 11.00 Uhr ging eine Kompanie, die A-Kompanie entlang des nördlich von der Fähre weg führenden Weges vor und erreichte den Elbdeich. Nach Überschreiten des Damms geriet die Einheit in schweres Feuer und zog sich hinter den Deich zurück. Während dessen rückte eine weitere Kompanie, die C-Kompanie aus dem Bereich der Fähre direkt nach Osten vor und schwenkte erst dann nach Norden in Richtung Pechau. Sie traf zunächst auf keinen Widerstand. Kurz bevor diese Kompanie die Pechauer Brücke erreichte, ergab sich dann ein schweres Feuergefecht. Hierbei starben sechs deutsche und drei amerikanische Soldaten, 30 Deutsche wurden gefangen genommen. Die US-amerikanischen Truppen überquerten mit einem Zug die intakte Brücke und bildeten auf der Pechauer Seite einen Brückenkopf. Amerikanische Artillerie gab auf die Umgebung Pechaus Sperrfeuer. In Unkenntnis über die Tiefe des amerikanischen Vorrückens kamen etwa 40 deutsche Soldaten schnell von Pechau aus zur Brücke, um in die vermuteten Kämpfe südlich der Brücke einzugreifen. Unter Verlusten mussten sie sich zurückziehen. Teile der US-Einheiten wandten sich nun nach Westen, um die deutschen Einheiten von hinten anzugreifen, die das weitere Vorrücken der A-Kompanie am Elbdeich nordöstlich der Fähre aufgehalten hatten. Unter Verlusten zogen sich die deutschen Einheiten auch hier zurück.

Die unterdessen auf Randau vorgerückten US-Truppen fanden den Ort frei von Militär vor und konnten das Dorf kampflos einnehmen. Vor Pechau ergaben sich neue Kämpfe, da aus dem Ort fünf deutsche Sturmgeschütze mit aufgesessener Infanterie den kleinen amerikanischen Brückenkopf an der Pechauer Brücke angriffen. Auf der rechten Seite der A-Kompanie erschienen überraschend ebenfalls deutsche Sturmgeschütze, auch von der linken Seite erfolgte Beschuss durch ein gepanzertes Fahrzeug. Die deutschen Geschütze gehörten zur Sturmgeschützbrigade 234 aus Burg, die von Gommern her die über die Elbe gesetzten US-amerikanischen Truppen angriff. Da es den US-Truppen an einer Panzerabwehr fehlte, zogen sie sich hinter den Elbdeich, der als natürliche Panzersperre wirkte, auf ihre ursprüngliche Stellung zurück, die um 19.00 Uhr erreicht war. Auch Randau wurde wieder geräumt. Die eigentlich beabsichtigte Schaffung einer Pontonbrücke über die Elbe im Bereich der Fähre, war durch anhaltenden deutschen Artilleriebeschuss verhindert worden. Eine Verstärkung und Versorgung der US-Truppen im Brückenkopf war daher nur erschwert möglich. Die US-Truppen verlegten daher ihren Brückenkopf ab 21.00 Uhr nach Süden in das Gebiet vor Schönebeck und verließen den Bereich der Kreuzhorst. Später wurde der Schönebecker Brückenkopf ganz geräumt. Mit dem von Osten her erfolgenden Einrücken sowjetischer Truppen Anfang Mai 1945 endete dann auch im Gebiet der Kreuzhorst der 2. Weltkrieg.

Ein im Wald erhaltenes Soldatengrab geht auf diese Ereignisse zurück.

 Zeit in der DDR

In der Zeit der DDR wurde die Fähre Salbke eingestellt. Die Verbindung zum Westufer der Elbe besteht seit dem nur noch über die nur etwas weiter südlich gelegene Fähre Westerhüsen.

Im Jahr 1961 wurde ein großer Teil des Gebiets (3,2 km²) von der DDR unter Naturschutz gestellt. Später wurde das Gebiet Teil des Landschaftsschutzgebietes Mittlere Elbe. Insbesondere durch das auf der gegenüberliegenden Elbseite befindliche Chemiewerk Fahlberg-List kam es jedoch auch zu erheblichen Umweltbelastungen. So wurde in DDR-Literatur der 1970er Jahre auf die schädlichen Auswirkungen der „Abgase des VEB Fahlberg-List“ hingewiesen. Vor allem wurden „Rauchschäden“ an den Eichen des Gebiets beklagt. Das Werk stellte 1995 seine Produktion ein.

1962 entstand auf einem landwirtschaftlich genutzten Stück an der Grenze zu Pechau der Waldfriedhof Pechau.

Quelle: Wikipedia