Rote Listen des Landes Sachsen-Anhalt
Geschützt: Rote Listen des Landes Sachsen-Anhalt
Die Gefährdungssituation in Sachsen‑Anhalt (nach Rote Listen Sachsen‑Anhalt 2020)
In Sachsen‑Anhalt hat sich der Kenntnisstand zur Artenvielfalt in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Während 1999 rund 10.400 Arten dokumentiert waren, wurden 2016 bereits etwa 23.000 Arten erfasst. Dieser starke Anstieg ist vor allem auf die intensive Arbeit von Fachleuten und ehrenamtlichen Spezialistinnen und Spezialisten zurückzuführen sowie auf zahlreiche Kartierungen und Projekte, die gezielt Wissenslücken geschlossen haben.
Trotz dieses Wissenszuwachses zeigen die Roten Listen, dass der Anteil gefährdeter Arten weiterhin hoch ist. Im Jahr 2020 wurden 6.718 der bewerteten 21.270 Arten – das entspricht rund 36,3 % – als gefährdet eingestuft. Auch bei Lebensräumen ist die Situation angespannt: Ein erheblicher Teil der Biotope gilt als gefährdet. Die Roten Listen sind damit ein wichtiges Instrument für naturschutzfachliche Planungen und ein Indikator für Veränderungen in der Kulturlandschaft.
Hauptursachen für den Rückgang der Biodiversität
Die Gefährdungsursachen sind in vielen Fällen gut bekannt. Eine zentrale Rolle spielt die Landwirtschaft als größter Flächennutzer. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren zählen:
- der Einsatz von Pestiziden (direkte und indirekte Wirkungen),
- Nährstoffeinträge (Eutrophierung) durch Düngung und Überschüsse,
- der Verlust von Kleinstrukturen wie Feldrändern, Säumen, unbefestigten Wegen, Kleingewässern oder Ackernassstellen,
- die Vergrößerung von Schlägen und damit der Rückgang von Übergangszonen („Ökotone“) sowie die Verringerung der landschaftlichen Vielfalt,
- die Intensivierung und Vereinheitlichung der Nutzung von Grünland (Düngung, Umbruch, Entwässerung, Nutzungswandel oder Nutzungsaufgabe).
Auch die Forstwirtschaft steht vor großen Herausforderungen – insbesondere durch den Klimawandel, Extremwetterereignisse sowie den Verlust strukturreicher Waldlebensräume (u. a. Mangel an Alt- und Totholzstrukturen). Insgesamt zeigen Studien und Monitoringdaten, dass Biodiversitätsverluste nicht auf einzelne Artengruppen begrenzt sind, sondern verschiedene Lebensräume und Organismengruppen betreffen.
Einordnung im globalen Kontext
Weltweit warnen Wissenschaft und internationale Gremien vor einem beschleunigten Artenrückgang; häufig wird von einem drohenden Massenaussterben gesprochen. Besonders im Fokus steht dabei die Gruppe der Insekten, weil sie als Bestäuber, Zersetzer, Räuber und als Nahrungsgrundlage anderer Arten eine Schlüsselrolle in Ökosystemen spielt. Gleichzeitig weist die Rote Liste darauf hin, dass gerade bei sehr artenreichen Insektengruppen in Teilen noch Bewertungs- und Wissenslücken bestehen – ein Hinweis auf den anhaltenden Forschungs- und Erfassungsbedarf.
Warum regelmäßige Aktualisierung wichtig ist
Rote Listen bilden immer einen „Ist‑Zustand“ zu einem bestimmten Zeitpunkt ab und müssen deshalb regelmäßig fortgeschrieben werden. Neben der reinen Einstufung ist eine fundierte Analyse von Gefährdungsursachen entscheidend, um Schutzmaßnahmen gezielt und wirksam entwickeln zu können. Auf Bundesebene wird daher u. a. an Projekten gearbeitet, die Gefährdungsursachen systematisch erfassen und auswerten, um Naturschutzstrategien und politische Entscheidungen besser zu unterstützen.
Artenvielfalt in der Kreuzhorst – Bedeutung und Schutz
Vor dem Hintergrund der landesweiten Gefährdungssituation kommt strukturreichen Lebensräumen eine besondere Bedeutung zu. Die Kreuzhorst ist ein solcher Bereich: Sie liegt in der Elbaue südlich von Pechau (am südöstlichen Rand von Magdeburg) und umfasst eine großflächige Streuobstwiese in einem Auenwaldgebiet. Streuobstwiesen verbinden extensiv genutztes Grünland mit Obstbäumen und vereinen damit Lebensraumelemente, die sonst selten in dieser Kombination vorkommen. Durch diese Strukturvielfalt entstehen zahlreiche Mikrohabitate, etwa in Baumkronen, an Stamm- und Rindenstrukturen, in Höhlen, in Alt- und Totholzbereichen sowie im vielfältigen Unterwuchs.
Untersuchungen und dokumentierte Bedeutung
Für Sachsen‑Anhalt wurden Streuobstwiesen in mehreren Projekten systematisch untersucht. Auch die Kreuzhorst war Gegenstand von Erfassungen, um die biologische Ausstattung zu dokumentieren und auszuwerten. (Im LAU‑Bericht zu den Streuobstwiesen wird die Kreuzhorst‑Streuobstwiese als große Fläche beschrieben, mit überwiegend älterem Baumbestand und hoher Strukturvielfalt.)
Nach den vorliegenden Angaben wurden in der Kreuzhorst im Rahmen von Untersuchungen insgesamt rund 800 Arten erfasst. Darunter befinden sich zahlreiche Arten mit Schutz- und Gefährdungsstatus:
- Arten der Roten Liste Sachsen‑Anhalt: 522
- Arten der Roten Liste Deutschland: 363
- besonders geschützte Arten nach nationalem Recht: 192
Diese Zahlen verdeutlichen die Rolle der Kreuzhorst als bedeutsamen Bestandteil der regionalen Biodiversität und als Grundlage für Schutz- und Pflegeprioritäten.
NATURA 2000 und langfristige Erhaltung
Die Kreuzhorst ist zudem Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000, das dem Schutz gefährdeter Arten und ihrer Lebensräume dient. Für die langfristige Erhaltung solcher Flächen ist neben dem Schutzstatus vor allem die geeignete Pflege und Nutzung entscheidend: Streuobstwiesen sind kulturhistorisch entstanden und bleiben nur dann dauerhaft wertvoll, wenn ihre Offenlandstrukturen erhalten werden und die Obstbäume gepflegt werden können (z. B. durch Mahd/Beweidung und Erhaltungsschnitt, je nach Flächenkonzept).
Fazit
Die Roten Listen Sachsen‑Anhalt zeigen, dass ein großer Anteil der bewerteten Arten und Lebensräume gefährdet ist. Gleichzeitig machen sie deutlich, wie wichtig gut strukturierte Lebensräume als Rückzugs- und Entwicklungsräume sind. Die Kreuzhorst ist in diesem Zusammenhang ein bedeutender Ort: Die dokumentierte Artenvielfalt und die Einbindung in NATURA 2000 unterstreichen ihren Wert für den Naturschutz in Sachsen‑Anhalt. Eine langfristige Sicherung und angepasste Pflege sind wesentliche Bausteine, um diese Vielfalt zu erhalten und den Rückgang von Arten und Lebensräumen zu begrenzen.
Flechten

In Sachsen-Anhalt sind Flechten von großer Bedeutung für die Bioindikation, da sie empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren. Die Rote Liste des Bundeslandes dokumentiert den Status von 957 Flechtentaxa, darunter viele, die als gefährdet oder sogar als ausgestorben bzw. verschollen gelten. Kontinuierliche Forschung und Kartierungen – unter anderem im Nationalpark Harz und in weiteren Schutzgebieten – haben das Wissen über die Flechtenvielfalt in der Region deutlich erweitert.
Der Kreuzhorst (Naturschutzgebiet in Sachsen-Anhalt) beherbergt eine vielfältige Flechtenflora; hier wurden 24 rinden- und holzbewohnende Flechtenarten erfasst. Einige Arten profitieren von verbesserten Luftbedingungen, gleichzeitig bleiben viele Flechten durch Umweltveränderungen und Landschaftsnutzung gefährdet. Die Erhaltung der Flechtenvielfalt erfordert daher den Schutz ihrer Lebensräume und eine langfristig nachhaltige Landschaftspflege.
Moose

Moose gehören zu den ältesten Landpflanzen und wachsen fast überall – besonders gern dort, wo es kühl und feucht ist, z. B. in alten Wäldern, Mooren, an Quellen oder auf Felsen. Sie können sehr gut mit Trockenphasen umgehen, weil sie Wasser über ihre gesamte Oberfläche aufnehmen und bei Regen schnell wieder „aktiv“ werden. Gleichzeitig sammeln Moose Stoffe aus der Luft an und sind daher sehr gute Bioindikatoren (sie zeigen Umweltbelastungen und Veränderungen an). In Sachsen‑Anhalt sind 758 Moos‑Taxa bekannt. Laut Roter Liste gelten 410 davon als gefährdet oder bereits ausgestorben bzw. verschollen.
Pilze

In Sachsen-Anhalt wurden bislang fast 4.800 Großpilzarten nachgewiesen, was die Pilze zu einer bedeutenden Gruppe in den Roten Listen macht. Die erste Rote Liste entstand 1989, basierte jedoch vorwiegend auf Literaturangaben. Mit der zweiten Fassung 1992 konnte auf eine bundesweite Artenliste zurückgegriffen werden. Intensive Kartierungsarbeiten seit 1990 führten zu einem deutlichen Anstieg an Erkenntnissen, was schließlich in der dritten Fassung der Roten Liste 2004 resultierte.
Im Jahr 2009 erschien die „Funga Sachsen-Anhalt“, die über 3.600 Pilzarten dokumentierte und als umfassendes Werk gilt. Seit 2010 wird das Kartierungsprogramm „Mykis“ verwendet, um aktuelle und historische Daten zu erfassen. Bis Ende 2018 waren fast 4.800 Arten in rund 290.000 Datensätzen erfasst. Die Gefährdungseinstufung der Arten basiert auf deren Vorkommen und dem Rückgang der Bestände.
Aktuell sind ca. 40% der Arten in Sachsen-Anhalt in der Kategorie „D“ eingestuft, was bedeutet, dass deren Gefährdung nicht ausreichend bewertet werden kann. Zukünftige Anstrengungen konzentrieren sich darauf, die Kartierung zu intensivieren, um die Artenkenntnis zu verbessern und Defizite zu beheben.
Regenwürmer

In Sachsen-Anhalt wurden bislang fast 4.800 Großpilzarten nachgewiesen, was die Pilze zu einer bedeutenden Gruppe in den Roten Listen macht. Die erste Rote Liste entstand 1989, basierte jedoch vorwiegend auf Literaturangaben. Mit der zweiten Fassung 1992 konnte auf eine bundesweite Artenliste zurückgegriffen werden. Intensive Kartierungsarbeiten seit 1990 führten zu einem deutlichen Anstieg an Erkenntnissen, was schließlich in der dritten Fassung der Roten Liste 2004 resultierte.
Im Jahr 2009 erschien die „Funga Sachsen-Anhalt“, die über 3.600 Pilzarten dokumentierte und als umfassendes Werk gilt. Seit 2010 wird das Kartierungsprogramm „Mykis“ verwendet, um aktuelle und historische Daten zu erfassen. Bis Ende 2018 waren fast 4.800 Arten in rund 290.000 Datensätzen erfasst. Die Gefährdungseinstufung der Arten basiert auf deren Vorkommen und dem Rückgang der Bestände.
Aktuell sind ca. 40% der Arten in Sachsen-Anhalt in der Kategorie „D“ eingestuft, was bedeutet, dass deren Gefährdung nicht ausreichend bewertet werden kann. Zukünftige Anstrengungen konzentrieren sich darauf, die Kartierung zu intensivieren, um die Artenkenntnis zu verbessern und Defizite zu beheben.
Asseln

In Sachsen-Anhalt wurden bislang fast 4.800 Großpilzarten nachgewiesen, was die Pilze zu einer bedeutenden Gruppe in den Roten Listen macht. Die erste Rote Liste entstand 1989, basierte jedoch vorwiegend auf Literaturangaben. Mit der zweiten Fassung 1992 konnte auf eine bundesweite Artenliste zurückgegriffen werden. Intensive Kartierungsarbeiten seit 1990 führten zu einem deutlichen Anstieg an Erkenntnissen, was schließlich in der dritten Fassung der Roten Liste 2004 resultierte.
Im Jahr 2009 erschien die „Funga Sachsen-Anhalt“, die über 3.600 Pilzarten dokumentierte und als umfassendes Werk gilt. Seit 2010 wird das Kartierungsprogramm „Mykis“ verwendet, um aktuelle und historische Daten zu erfassen. Bis Ende 2018 waren fast 4.800 Arten in rund 290.000 Datensätzen erfasst. Die Gefährdungseinstufung der Arten basiert auf deren Vorkommen und dem Rückgang der Bestände.
Aktuell sind ca. 40% der Arten in Sachsen-Anhalt in der Kategorie „D“ eingestuft, was bedeutet, dass deren Gefährdung nicht ausreichend bewertet werden kann. Zukünftige Anstrengungen konzentrieren sich darauf, die Kartierung zu intensivieren, um die Artenkenntnis zu verbessern und Defizite zu beheben.
Hundertfüßer und Doppelfüßer

Auf der Streuobstwiese im Naturschutzgebiet Kreuzhorst wurden mehrere Hundertfüßerarten nachgewiesen. Typisch sind hier Arten, die in vielen Streuobstwiesen vorkommen, zum Beispiel Lithobius forficatus (ein häufiger „Steinläufer“) sowie die bodennah lebenden Arten Geophilus flavus und Schendyla nemorensis. Wichtig für die Einordnung: In der Streuobstwiesen‑Untersuchung wurden bei den Hundertfüßern keine Arten gefunden, die in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet geführt werden. Bei den Doppelfüßern wurde im Kreuzhorst jedoch Cylindroiulus arborum nachgewiesen – eine Art mit dem Status „R“ (= extrem selten) in der Roten Liste Deutschlands. Insgesamt zeigt der Fundbestand, dass die Streuobstwiese mit Laubstreu, Rinde, Totholz und geschützten Bodenbereichen ein wertvoller Lebensraum für Bodentiere ist.
Webspinnen und Weberknechte
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Springschwänze
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Hornmilben
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Ohrwürmer, Schaben und Heuschrecken
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Käfer
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Bienen, Wespen und Schwebfliegen
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Ameisen
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Schmetterlinge
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Wanzen
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Zikaden
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Tanzfliegenverwandten
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Lurche und Kriechtiere
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Brutvögel
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Fledermäuse
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Säugetiere
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