Vergebung?

Gedenken an das Weihnachtsmarkt-Attentat vom 20.12.2024

Vergebung?

Randau. „St.Sophie“. Stille. Nach dem der 7. Stundenschlag verklungen ist, beginnen die Glocken der Kirche zu läuten. Wie in ganz Magdeburg. Es ist 19:02 Uhr, der Zeitpunkt, in dem im Magdeburg alles anders wurde. Vor einem Jahr.

Dann wieder Stille. Ein Weihnachtsstern erleuchtet den Raum nur spärlich. Die Menschen, nicht alle religiös, die sich im Gedenken an das Attentat vom 20.12.2024 in der Kirche versammelt haben, schweigen. Lange.

Nach einer Weile wagt Monika Rausch ihre Gedanken auszusprechen. Sie denkt an die Opfer, nicht nur an die Toten und deren Angehörige, sondern auch an die, die die körperlichen Folgen ihr Leben lang mit sich tragen müssen. Kerstin Lüddeke schließt sich an und auch ich selbst muss ein paar Worte loswerden, die sich um diejenigen drehen, die die psychischen Folgen nie mehr loswerden. Im direkten Freundeskreis.

Und der Attentäter? Man mag mich deshalb verurteilen, aber jede Faser in mir weigert sich, ihm in irgendeiner Form zu vergeben. Ein Mensch, noch dazu ein Arzt, der den hippokratischen Eid Menschenleben zu retten geleistet hat, tötet sechs Menschen und verletzt über 300 weitere schwer. Inzwischen weiß man: es war keine Kurzschlusstat, sondern geplante, gezielte Tötungsabsicht.

Wenige hundert Meter von dem Ort, an dem sich alles 2024 abspielte, wurde für diesen Menschen ein Tempel mit einer mediale Bühne errichtet, auf der er sich seiner Tat auch ein Jahr danach noch rühmen darf. Vor laufenden Fernsehkameras. Von Reue nicht die geringste Spur. Ein Mensch, der die unglaubliche Dreistigkeit besitzt, die Angehörigen der Opfer aus dem Gefängnis heraus auch noch persönlich anzuschreiben und zu verhöhnen. Was bitte ist hier falsch?

Ich ertappe mich dabei, dass ich diesem Menschen überhaupt in meinen Gedanken einen Platz eingeräumt habe. Platz, den dieser mit nichts verdient hat.

Als ich nach Hause gehe, entdecke ich in vielen Fenstern Trauerkerzen, die mich an den wirklichen Grund erinnern, warum ich in der Kirche war:

Dem trauernden Gedenken an die Opfer.