Vorstellung des Projektes des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung für die Kreuzhorst

aus der Niederschrift der Ortschaftsratssitzung Pechau am 22.01.2026

Vorstellung des Projektes des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung für die Kreuzhorst

Zu diesem Tagesordnungspunkt sind Herr Dr. Tittel und Frau Vetter vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sowie Herr Holbe und Herr Sondej vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) erschienen.

Eingangs stellt Herr Dr. Tittel seine Person sowie das UFZ und dessen Aufgaben vor. Danach geht er auf das Projekt „Vorbereitung von Maßnahmen zur Stabilisierung des Grundwasserspiegels mit dem Ziel der langfristigen Bewahrung des Hartholz-Auenwaldes im FFH-Gebiet Kreuzhorst“ ein. Er macht deutlich, dass dieses Projekt im Jahr 2022 als internes Auenforschungsprojekt begonnen habe. Er legt dar, dass das Projekt durch das Förderprogramm ELER gefördert werde, und nennt als Unterstützer des Projektes den LHW, die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Magdeburg, den Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt sowie den Ortschaftsrat Pechau. Weiterhin informiert er über den Projektzeitraum vom 01.01.2026 bis zum 31.03.2029.

Anhand von Bildern zeigt Herr Dr. Tittel die aktuelle Situation in der Kreuzhorst auf und geht erläuternd auf das durch Trockenheit verursachte Baumsterben sowie die schlechte Wasserqualität und den niedrigen Wasserstand in der Alten Elbe ein. Weiterhin gibt er eine Übersicht über die Ursachen der Austrocknung und geht dabei konkret auf den Klimawandel (längere Phasen mit geringen Pegelständen) sowie den Umbau von Flüssen zu Wasserstraßen ein. In diesem Zusammenhang zeigt er Diagramme zur Entwicklung der Pegelstände an der Magdeburger Strombrücke von 1905 bis 2024, zur Entwicklung des Defizits im Niederschlag und Abfluss zwischen 2014 und 2023 sowie zu der Wasserspiegeldifferenz verschiedener Jahre im Vergleich zum Jahr 1888. Er informiert über die seit 1888 erfolgte Eintiefung des Flussbetts der Elbe um 1,10 Meter, welche zur Verminderung des Grundwasserspiegels führe. Zudem verweist er auf die Probleme für die Schifffahrt. Darüber hinaus geht er auf die Zielstellung des Projektes ein und macht deutlich, dass eine Entscheidungsgrundlage für die Politik für die Umsetzung von Maßnahmen erarbeitet werde.

Ferner nennt Herr Dr. Tittel die zu untersuchenden Fragestellungen bezüglich der Erhöhung des Wasserstandes in der Alten Elbe: Wie schnell reagiert der Grundwasserstand? Wie lange hält der Effekt an? Wie weit reicht der Effekt? Im Folgenden gibt er anhand einer Karte eine Übersicht über die Grundwassermessstellen des LHW, die vorhandenen, neu angelegten und geplanten Messstellen des UFZ sowie Seespiegel-Messstellen. Mit diesen Messstellen sollen Daten gesammelt werden, um verschiedene Szenarien durchzurechnen. Zudem zeigt er eine Messstelle auf, deren Eigentümer nicht bekannt sei. Herr Schulz gibt den Hinweis, ebenfalls Messstellen zu betreuen und die Daten seit circa 1975 zu erfassen. Er bietet an, dem UFZ diese Daten zuzuleiten. Herr Dr. Tittel nimmt dieses Angebot dankend an und merkt an, dass sich auch Einwohner, die einen bis zum Grundwasser reichenden Brunnen besitzen, gern melden können, um dort Messungen vorzunehmen.

Im weiteren Verlauf zeigt Herr Dr. Tittel zu untersuchende Maßnahmen zur Erhöhung des Grundwasserstandes auf. Dabei erläutert er die Verminderung des Abflusses aus dem Schutzgebiet und merkt an, dass die aktuelle Staugenehmigung für das Pechauer Siel begrüßt werde. In diesem Zusammenhang macht Herr Holbe darauf aufmerksam, dass ausgeschlossen werden müsse, dass sich die Maßnahmen auch auf die Ortslage auswirken (bspw. Wasser im Keller der Wohnhäuser). Er wirft die Frage auf, ob das UFZ auch solche Effekte prognostizieren könne. Herr Dr. Tittel bestätigt, dass diese Auswirkungen ebenfalls aus dem Modell abgeleitet werden könnten. Herr Holbe macht deutlich, dass dies im Hinblick auf die Definition eines Stauziels hilfreich wäre. Herr Kriegenburg äußert die Ansicht, dass es weder Zielstellung noch realisierbar wäre, einen Grundwasserspiegel von vor 100 Jahren wiederherzustellen. Er stellt klar, dass nach den bisherigen Erfahrungswerten außer bei schweren Hochwasserereignissen keine Keller gegeben habe, die Probleme mit Grundwasser hatten. Herr Dr. Tittel sichert zu, dass entsprechende Analysen angestellt werden, um negative Effekte in der Ortslage auszuschließen. Er macht nochmals deutlich, dass die Entscheidungen über tatsächliche Maßnahmen durch die politischen Instanzen zu treffen seien. Herr Dömeland macht deutlich, die Auffassung des Herrn Kriegenburg zu teilen und keine negativen Effekte für die Ortschaft zu befürchten. Er halte eine moderate Erhöhung des Stauziels für vertretbar. Herr Dr. Tittel merkt an, dass eine Datenerhebung aus Brunnen in der Ortslage hilfreich wäre, um die Effekte genauer untersuchen zu können.

Als weitere Maßnahmen zur Erhöhung des Grundwasserstandes erläutert Herr Dr. Tittel die Wasserzuleitung aus dem Umflutkanal bei Hochwasser sowie die Zuleitung aus der Elbe über ein neues Siel am Elbdeich. Dazu zeigt er ein Diagramm zur Entwicklung der Höhenlage des Wasserstandes in der Elbe und des Grundwasserstandes in der Kreuzhorst von 2022 bis 2025.

Auf Nachfrage des Herrn Dömeland bezüglich eines Pumpwasserwerkes statt eines Siels schätzt er dies als wirtschaftlich ungeeignet ein. Als weitere Maßnahme nennt Herr Dr. Tittel die Umnutzung eines Entwässerungsgrabens zur Grundwasserneubildung und verweist auf den Franzosengraben.

Des Weiteren informiert Herr Dr. Tittel über sein Interesse an altem Fotomaterial von der Kreuzhorst, um die Entwicklung des Zustands dokumentieren zu können. Abschließend geht er auf das „Shifting Baselines“-Syndrom, auch als Generations-Umwelt-Amnesie bezeichnet, ein.

Herr Dömeland dankt Herrn Dr. Tittel und Frau Vetter für ihre heutige Teilnahme an der Sitzung und für die Entwicklung und Durchführung des Projektes. Er schätzt dieses als wichtiges Fundament für die spätere Argumentation für die Umsetzung von Maßnahmen ein.

Herr Dr. Tittel bietet spätere Zusammenkünfte an, um Details zu besprechen und aktuelle Informationen auszutauschen. Herr Dömeland stimmt zu und bittet um Kontaktaufnahme, falls Unterstützung vor Ort erforderlich sei.

Herr Holbe stellt seine Person und den LHW sowie dessen Aufgaben vor. Mit Verweis auf die Zuständigkeit für Gewässer 1. Ordnung merkt er an, dass das Pechauer Siel eine Schnittstelle darstelle. Er macht deutlich, dass er kein Bedenkenträger bezüglich der Anstauung am Pechauer Siel sei, jedoch für ein späteres Genehmigungsverfahren ausschließen wolle, dass negative Effekte für die Einwohner entstehen. Er weist auf die Schwierigkeit hin, eine Anstaugenehmigung zu erhalten. Herr Dömeland stellt klar, dass der Ortschaftsrat dazu bereit ist, das Vorhaben mit seinen Möglichkeiten zu unterstützen. Herr Dr. Tittel spricht dem LHW seinen Dank für die Unterstützung aus. Dabei macht er deutlich, dass es nicht selbstverständlich sei, dass ein solches Projekt unterstützt werde. Herr Truckenmüller schätzt ein, dass das bisherige Anstauen gut funktioniert habe und schon positive Effekte zu verzeichnen seien. Er berichtet über den Eindruck, dass am Pechauer Siel mehr Wasser vorhanden sei als am Mönchsgraben. Herr Dr. Tittel teilt mit, dass die Messungen am 28.01.2026 beginnen werden.

Mit Verweis auf das Projekt des BUND zur Revitalisierung der Dornburger Alten Elbe wirft Herr Kriegenburg die Frage auf, ob es Schnittstellen zum Projekt des UFZ gebe. Herr Dr. Tittel führt aus, Messungen und Planungen zum Projekt erhalten zu haben. Er legt dar, dass das UFZ von einer Ausbaggerung des Gewässers absehen würde, da befürchtet werde, dass der Wasserstand in der Alten Elbe dann noch weiter absinken würde. Er merkt an, dass das Projekt aufgrund der im Gebiet vorhandenen Kampfmittelaltlasten ohnehin wahrscheinlich nicht mehr realisierbar wäre. Herr Truckenmüller ergänzt, dass das Projekt laut aktuellen Informationen auch nicht mehr finanzierbar sei.

Herr Holbe fasst zusammen, dass er das Projekt des UFZ als Basis für eine zielgerichtete Diskussion und für ein Genehmigungsverfahren begrüßt.

Herr Dömeland bietet an, zu gegebener Zeit im Rahmen einer Ortschaftsratssitzung eine Auswertung des Untersuchungsstandes des UFZ vorzustellen. Herr Dr. Tittel berichtet über die Absicht, regelmäßig Daten zu übermitteln, um über den Fortgang des Projektes zu informieren.